Wenn das Sushi aus dem Drucker kommt

Wenn das Sushi aus dem Drucker kommt

Wie 3D-Druck die Industrie verändert

Zu den spannendsten technischen Entwicklungen der letzten Jahre gehört sicherlich der 3D-Druck. Dabei wird durch schichtenweises Auftragen flüssiger oder pulverförmiger Werkstoffe ein dreidimensionaler Gegenstand erschaffen – man spricht von einem additiven Fertigungsverfahren. Wir stellen einige Anwendungsmöglichkeiten vor.

Grundlagen

Bereits seit den 1980ern kommen Verfahren zum Einsatz, bei denen Materialien geschichtet werden; damals allerdings noch in der Modellierung von Prototypen und nicht in der eigentlichen Produktion. Heutige Techniken ermöglichen die Verwendung unterschiedlichster Werkstoffe von Kunststoff und Keramik über Kunstharz bis hin zu diversen Metallen. 3D-Druck hat gegenüber subtraktiven Methoden wie Fräsen oder Bohren vor allem den Vorteil großer Flexibilität. So sind Maßanfertigungen ebenso leicht umzusetzen wie komplexere Bauteile, zum Beispiel in der Bionik. Ein weiterer Vorteil ist die rasche Verfügbarkeit: Ist für ausreichenden Werkstoff gesorgt, kann ein 3D-Drucker benötigte Produkte direkt vor Ort herstellen – so befindet sich ein Gerät an Bord der Raumstation ISS. Auch die Bundeswehr will bei Auslandseinsätzen in Zukunft 3D-Drucker verwenden.

Autos

Ein typisches Anwendungsbeispiel bietet die Automobilindustrie. Zwar ist es bislang (noch) nicht möglich, ein Auto komplett zu drucken, aber schon jetzt lässt sich durch 3D-Drucker die Anzahl der benötigten Bauteile drastisch reduzieren, um eine schnellere und kostengünstigere Fertigung zu ermöglichen. Zudem wird eine fast vollständige Individualisierung möglich: So planen Siemens und das kalifornische Unternehmen Hackrod mit „La Bandita“ ein maßgeschneidertes Auto, welches der Kunde vor dem Kauf selbst designen kann.

Häuser

Im März stellte die US-Firma ICON in Texas den Prototyp eines gedruckten Hauses vor. Hier wird statt der sonst üblichen Materialien ein Brei aus Beton verwendet. Da für den Bau solcher Häuser deutlich weniger Bauarbeiterstunden benötigt werden, lassen sie sich nach Herstellerangaben für lediglich 10.000 US-Dollar pro Stück errichten.

Im Juli bezog eine Familie im französischen Nantes das erste Haus, das von einem Roboter per 3D-Druck errichtet wurde. Dank des Verfahrens „Batiprint 3D“ wurde das Gebäude in 54 Stunden fertiggesellt – nur Fenster, Türen und Dach wurden auf konventionelle Weise hinzugefügt. Die neue Methode soll die Baukosten um bis zu 70 Prozent reduzieren.

Waffen

Der US-Waffenrechtler Cody Wilson wurde im vergangenen Jahr vom Technologie-Magazin Wired zu den fünf gefährlichsten Menschen des Internets gezählt. Der Grund: Seine Organisation Defense Distributed hat mit der Pistole „Liberator“ die erste 3D-Druck-Waffe der Welt entwickelt. Nach langem Rechtsstreit mit der US-Regierung erreichte Wilson, dass die Baupläne für diese Pistole frei zugänglich im Internet veröffentlicht werden dürfen – allerdings haben einige US-Bundesstaaten gegen diese Entscheidung Klage eingereicht. Kritiker warnen vor einer ungehinderten Verbreitung tödlicher Waffen. In Zukunft will Wilson auch Sturmgewehre anbieten.

Essen

Die japanische Firma Open Meals hat einen sogenannten Pixel Food Printer entwickelt: Ein essbares Gel wird mit Aromen, Nahrungsstoffen und Lebensmittelfarbe angereichert und in der passenden Form gedruckt. Die einzelnen „Pixel“ aus denen das Essen besteht, sind derzeit noch so groß, dass der Eindruck einer altertümlichen Videospiel-Grafik entsteht. Kein Wunder also, dass die Besucher der Technologie-Konferenz South by Southwest von dem dort vorgestellten Sushi begeistert waren – auch wenn der Geschmack des Originals vielleicht noch nicht erreicht wird.

Fazit

Die Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Drucks sind vielfältig. Viele Entwicklungen sind sicherlich ein echter Fortschritt, andere sind eher Spielerei und einige sogar gefährlich. Es handelt sich um eine disruptive Technologie, die ganze Geschäftsmodelle obsolet machen kann – und die man deshalb umso aufmerksamer beobachten sollte.

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