Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer

Zum Europäischen Datenschutztag am 28. Januar: Wie die DSGVO bislang umgesetzt wird

Vertrieb – das heißt auch die Verarbeitung personenbezogener Daten. Ein sensibles Thema, wie sich an der Diskussion um die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU zeigt. Viele Unternehmen warnten im Vorfeld vor ausufernder Bürokratie und fürchteten erhebliche Einschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit. Der 13. europäische Datenschutztag bietet Gelegenheit für eine Zwischenbilanz: Wie werden die Vorgaben zum Datenschutz derzeit praktisch umgesetzt? Welche Herausforderungen gibt es?

Erfahrungen der Wirtschaft

Gut acht Monate nach Inkrafttreten der DSGVO ist das Echo aus der deutschen Wirtschaft zwiespältig: Nach einer im Dezember veröffentlichten Umfrage des IT-Sicherheitsunternehmens Thales sehen sich zwar 86 Prozent der befragten Unternehmen mit den neuen Datenschutzanforderungen im Einklang. Andererseits musste mit 49 Prozent bereits knapp die Hälfte der Firmen den zuständigen Datenschutzbeauftragten des Landes oder Bundes informieren, um eine Einschätzung zu Datenschutzverletzungen zu erhalten. Immerhin 21 Prozent der befragten Unternehmen mussten ihre Datenschutzverletzungen sogar öffentlich machen. Kein Wunder also, dass mehr als ein Drittel (36 Prozent) der befragten Konsumenten die Äußerungen der Wirtschaft zur DSGVO-Konformität anzweifeln.

Kosten

Bei Verstößen gegen die DSGVO drohen bekanntlich Strafen in Höhe von bis zu 20 Mio. Euro bzw. 4 Prozent des Jahresumsatzes. Doch die befürchteten Horrorszenarien sind bislang ausgeblieben: Als etwa im Juli durch einen Hackerangriff die Nutzerdaten von rund 330.000 Usern des Social-Media-Anbieters Knuddels.de veröffentlicht wurden, setzte der Landesdatenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg die Strafe auf milde 20.000 Euro fest – was allerdings auch an der Transparenz und Kooperationsbereitschaft liegt, mit der Knuddels.de auf den Vorfall reagierte. Auch die Kosten für die Einführung der DSGVO in Unternehmen halten sich meist in Grenzen; so haben 49 Prozent der befragten Unternehmen weniger als 10.000 Euro ausgegeben. Dem stehen allerdings 16 Prozent gegenüber, die zwischen 500.000 und einer Million Euro investieren mussten.

Verwaltungsaufwand

Der bürokratische Aufwand für den Datenschutz ist ebenfalls nicht unerheblich: Immerhin 62 Prozent der befragten Unternehmen sahen sich zu einer Änderung ihrer Sicherheitsrichtlinien veranlasst. Dabei ging es besonders um das Verhältnis zu externen Dritten wie Vertrags- und Geschäftspartnern. Insgesamt 41 Prozent der befragten Entscheider geben an, dass die Komplexität im Datenschutz zugenommen habe. Mit 34 Prozent befürchtet etwa ein Drittel der Befragten sogar ein höheres Risiko für Datenschutzverletzungen.

Fazit

Noch ist schwer zu sagen, ob den Kosten für die DSGVO auch ein entsprechender Nutzen für die Konsumenten gegenübersteht. Andererseits kann die Verordnung durchaus nützliche Effekte zeitigen: Immerhin 22 Prozent der von Thales befragten Unternehmen glauben, dass sich die DSGVO positiv auf Innovationen innerhalb ihres Unternehmens auswirkt.

Wie schätzen Sie nach acht Monaten die Auswirkungen der DSGVO-Einführung auf ihr Unternehmen ein?

 

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